Ein Interยญview
Lieber Matthias, wir sitzen hier in deinem Atelier, um uns herum deine wohl aktuยญelยญleren Arbeiten, die mich auch gleich zu meinen Einstieg in unser Gesprรคch fรผhren. Erste Frage also : Was beschรคfยญtigt dich gerade bei deinen neuen Bildern ?
Liebe Karin. Gerne wรผrde ich jetzt umweglos auf deine schรถne und klare Frage antworten. Aber ich mรถchte doch voranยญstellen, daร die Bilder, die du hier siehst, immer auch Teile einer mittยญlerยญweile langen Wegstrecke sind, sie also zuminยญdest von mir nicht isoliert von all den vorherยญgeยญhenden betrachtet werden kรถnnen. Zwar erwarte ich von ihnen, daร sie auch einzeln und kontextlos bestehen, doch ist das ja eine qualiยญtaยญtive Frage. Was ich meine, ist, daร sie nicht mit gรคnzยญlich neuer Erkenntnis und Heranยญgeยญhensยญweise erstellt worden sind, oder vielยญmehr erstellt werden. Und so sind es die kleinen Verรคnยญdeยญrungen, welche meine Arbeit hoffentยญlich voranยญschreiten lรคsst., eher schneยญckig und bestรคndig.
Also, kurze Rede, langer Sinn, diese Serie von Monoยญtyยญpien kommt meinem grundยญsรคtzยญliยญchem Interยญesse entgegen, dem Zufall immer weniger im Weg zu stehen. Ich hatte festยญzuยญstellen, daร mein Wollen, also das Beharren auf ein vorgeยญdachtes Ergebnis, die Bilder kalkuยญliert, absehbar und auch langยญweilig werden lรคsst. Je mehr ich mich in der Beginnยญphase mit Wรผnschen und Fordeยญrungen zurรผckยญhalte, desto reichยญhalยญtiger, desto รผberยญraยญschender und spanยญnender das Erzeugnis.
Aber dann kรถnnยญtest du dir ja auch eine Maulยญwurfsยญmaske aufsetzen und losmalen, egal welche Form und Farbe. Matthias, die Drucke, wie ich jetzt verstanden habe, machen einen anderen Eindruck, als es deine Beschreiยญbung behauptet.
Gegenยญfrage : Welchen Eindruck machen sie denn ?
Um im Gesprรคchsยญkonยญtext zu bleiben, sie wirken trotz einer gestiยญschen Grundยญhalยญtung und einer bei jedem Blatt neu verhanยญdelt scheiยญnender Freiยญheit, kontrolยญliert und รผberยญlegt. Bevor du mir allerยญdings darauf antworยญtest, wรคre es schรถn, du erlรคuยญterยญtest kurz, was wir hier รผberยญhaupt sehen.
Zuminยญdest den formalen Rahmen. Ausgeยญhend von einer Ausstelยญlung hier in Wuppertal (Degas/โRodin, 2017, Museum Von der Heydt), habe ich mich nach langer Zeit mal wieder mit Degas beschรคfยญtigt. Halt wie ich ihn so heute einschรคtze. Schlieรยญlich kam ich auf seine Monoยญtyยญpien, die mich nun ebenso beeinยญdruckten, wie sie es vor 25 Jahren in der Lage waren zu tun. Allerยญdings diesmal wollte ich die Beeinยญdruckung in meine eigene Arbeit einflieรen lassen.
Schlieรยญlich hatte ich die Serie mit den โFortยญbeยญweยญgungsยญmitยญtelnโ abgeยญschlossen, es sollte was Neues daher, ein wenig lustlos war ich auch.. Und da kam mir das super zupass, daร der Degas meinen Weg mal wieder kreuzte. Nun gut, eine Monoยญtypie ist eine Art Abklatschยญdruck. Ich streiche รlfarbe auf ein Glas, lege ein Blatt Papier darauf und drรผcke dieses mit unterยญschiedยญliยญchen Werkยญzeugen und Fingern in den nassen Grund. Was hรคngen bleibt, ist Bild.
Das hรถrt sich schon sehr nach Zufallsยญentยญsteยญhungen an. Ich sehe aber ein immer wieder variยญiertes Motiv sehr deutยญlich ; nรคmlich das der Windยญmรผhle. In der Grundยญform gibtโs die immer gleich zu sehen. Das widerยญspricht doch deiner Beschreibung ?
Mir sind formale Grundยญverยญbindยญlichยญkeiten innerยญhalb der einzelnen Serien schon wichtig. Sonst wรคrs ja irgendwie auch keine Serie. In dem Fall ist es das Motiv der Windmรผhle.
Diese Drucke bestehen aus mehreren โAbklatยญschenโ, wobei ich ungeยญwollte รberยญlaยญgeยญrungen zu vermeiden suche, indem ich mir halt merke, oder auf dem Glas vermerke, wo was hin soll, bezieยญhungsยญweise wo ich etwas bestehen lassen mรถchte. Und somit lenke ich natรผrยญlich das Bild. Nur ob mich mein Lenkยญverยญhalten in eine gewollte Richยญtung bringt, weiร ich in dem Augenยญblick noch nicht.
Wenn ich das richtig verstehe, dann ist es fรผr dich interยญesยญsant, daร du nicht direkt siehst, was sich auf der kรผnfยญtigen Vorderยญseite deines Bildes abspielt, wรคhrend du es bearbeitest ?
Diese zeitยญliche Verzรถยญgeยญrung, wรคhrend ich beispielsยญweise die Konturen der Windยญmรผhle mit der Hรคkelยญnadel meiner Mutter einzeichne, und ich nur erahne was ich sehen werde, schiebt die kรผnstยญleยญriยญsche Verantยญworยญtung nach hinten und Dinge bekommen eine Chance, die ich vielยญleicht in einem direkt sichtยญbaren Malproยญzess nie zulassen wรผrde. So provoยญziere ich etwas, was hoffentยญlich grรถรer ist als mein bisheยญriges Grundvermรถgen.
Das klingt ja geraยญdezu bescheidenโฆ
Ist reine Straยญtegie. Das gute Ziel bestรคยญtigt den Weg ! Aber wie wir ja wissen, ist alles immer etwas kompliยญzierter, als man fรผrderhin meint. Am Beginn eines solchen Vorhaยญbens steht ja eine aufgeยญregte Erwarยญtungsยญhalยญtung, die allerยญdings hรคufig, und wohl zu recht, zu einer mittยญlerยญweile erwarยญteten Enttรคuยญschung fรผhrt. Alles ist erst mal interยญesยญsant ; wie die Farbยญkonยญsisยญtenz den Druck beeinยญflusst, wie Drucke eher zeichยญneยญriยญscher oder maleยญriยญscher Natur entstehen und so weiter. Eine sehr angeยญnehme Situaยญtion der Bildยญherยญstelยญlung ist das. Noch kann man alles annehmen, was wie zugeยญflogen daherยญkommt. Aber man findet sich doch recht schnell zwischen den ewig bekannten Qualiยญtรคtsยญeckยญpfeiยญlern seines Selbst wieder. Das ist dann der harte Boden der Tatsaยญchen. Und aus Erfahยญrung weiร man, so einfach kommt man nicht zum guten Bild.
Eine kritiยญsche รberยญprรผยญfung und eine entspreยญchende Korrektur kann ich mir also natรผrยญlich nicht ersparen, das stรคnยญdiges Wechยญselยญspiel aus Provoยญkaยญtion und Filteยญrung beginnt ledigยญlich spรคter. Aber der Vorteil bei dieser Herausยญforยญdeยญrung des Zufalls ist der, daร ich die Routinen, diese Wiederยญhoยญleยญreien, die also unanยญgeยญnehmen Seiten des Handยญwerkยญliยญchen umgehe, ich also nicht immer die gleiche Suppe aufwรคrme. Das Kรผnstยญleยญriยญsche, das schรถne Unbeยญkannte, welches ich mir vielยญleicht ein wenig unredยญlich erarยญbeitet haben mag, kann ich im nรคchsten Schritt mein eigen nennen, es als mir zugeยญhรถrig betrachten. Mich interยญesยญsiert nicht das Bekannte, sondern das Unbekannte.
Unredยญlich.. jetzt wirdโs aber kokett.
Stimmt, streiยญchen wir das.
Also wird das Unbeยญkannte von dir schlieรยญlich eingeยญmeindet und bekannter Teil deines Kรผnstlerselbst !
Gut zusamยญmenยญgeยญfasst.
Und dieses Kรผnstยญlerยญselbst erwartet von dir immer wieder, daร du es erweiยญterst. Ist da eine immer wieder zu aktuaยญliยญsieยญrende Selbstยญbeยญstรคยญtiยญgung die Antriebsยญfeder ? Und/โoder ist es eher die Neugier, was du noch an Neuem in die Welt bringen kannst ? Und folgend die Frage, wird man sich und seiner Arbeit nicht รผberยญdrรผssig, gerade wenn man sozuยญsagen unabยญlรคssig auf sich selbst angeยญwiesen ist und sich stรคndig zu hinterยญfragen hat ? Geht man sich da nicht auch mal tierisch auf den Nerv ?
So viele Fragen jetzt. Die Letzte kann ich noch beantยญworten. Auf den Nerv geht mir eben, wenn ich mich immer um mich selbst drehe. Daher ja die ganze Akzenยญtuยญieยญrung auf das Neue, auf die Mรถglichยญkeiten, von denen ich eben nichts weiร, noch nichts weiร. Und daher die Neugier. Auch kann ich mir ein Leben ohne irgendยญeine Produkยญtion schwer fรผr mich vorstellen. Auch wenn der Sinn, vom Lebensยญende her betrachtet, eher fragยญwรผrdig ist. Mir fehlt da die buddhisยญtiยญsche Einsicht.
Und ja, ich kann mich eben sehr freuen, wenn mir was gelungen ist. Klar, das ist Selbstยญbeยญstรคยญtiยญgung. In bisher allen Fragen also Ja, Ja und wieder Ja. Und รผberยญdrรผssig und lรคstig bin ich mir hรคufig oder manchmal auch. Also nochmal vermuยญtest du richtig.
Denn mir fliegt das akzepยญtable Bild nicht so zu. Ich muss natรผrยญlich dafรผr arbeiten.
Wobei, und da kommen wir zum nรคchsten Antrieb, das ja eben auch eine sehr schรถne Arbeit sein kann. Gerade eben am Anfang und am Ende, wo jeweils alles im Fluss ist, wo ich mich wie ein selbstยญbeยญstimmter Mensch fรผhle. Ich kann machen was ich will, doch was will ich ? In erster Linie will ich eben nun mal das schรถne Bild, schรถner als daร es die Vorausยญsetยญzungen des Herstelยญlers eigentยญlich zulassen. Und auch dieser Ansporn ist reizยญvoll, macht mehr als Spaร, hat mit Lust an der Reibung zu tun. Und dann will ich dabei manchmal und hรคufig Musik hรถren, 2 Knopยญpers essen vielยญleicht. Ebenยญdiese Lust und Laune-โSituationen sind unvergleichlich.
Du sprichst von Selbstยญbeยญstimmtยญheit. Bist du das nicht immer, so vor der Leinยญwand ? Ich male ja selber nicht, meine Vorstelยญlung ist die, daร man keine Komproยญmisse eingehen muร, die einen im normalen Leben stรคndig einschrรคnken.
So und so. Also, die kรผnstยญleยญriยญsche รuรeยญrung ist zwar Teil der menschยญliยญchen Kultur, gilt gemeinhin ja sogar als krรถnendes Beweisยญmittel gesellยญschaftยญliยญcher Errunยญgenยญschaft, allerยญdings hat das kรผnstยญleยญriยญsche Tun eine zutiefst unziยญviยญliยญsaยญtoยญriยญsche, also rรผckยญsichtsยญfreie und anarยญchiยญsche Basis. Man kรถnnte das auch Freiยญheit nennen. Soweit stimmt das Klischee. Doch was fรคngt man mit ihr an ? Was will man รผberยญhaupt ? Und um dem nรคher zu kommen ist die Frage โ Was will man nicht?โ erstmal einfaยญcher zu beantworten.
Zum Beispiel des Abkupยญferns zurecht beschulยญdigt werden.
Natรผrยญlich hat man Dinge im Kopf, die andere Menschen vor kurzer oder langer Zeit gemacht haben und die man gut oder toll findet. Aber der Anspruch auf Alleinยญstelยญlungsยญmerkยญmale warnt schnell. Trotzdem schleiยญchen sich immer wieder, durch welche geheime Tรผre auch immer, kleiยญnere oder grรถรere Vorbildยญanยญteile in das eigene Bild. Sicher gibt es Kรผnstler, die offensiv damit umgehen, bisweilen das auch zu ihrem Programm machen, ich hingegen hab dahinยญgeยญhend keine Ambiยญtion. Aus dieser Haltung entsteht zum Beispiel eine der Einschrรคnยญkungen jener vorhin ausgeยญruยญfenen Freiยญheit vor dem Bildgrund.
Ein weiterer Punkt, den es zu vermeiden gilt, vielยญmehr ich vermeiden mรถchte, ist Anachronismus.
Das mutet erst mal selbstยญverยญstรคndยญlich an, doch ist es wohl eher eine selbstยญverยญstรคndยญliche รberยญeinยญkunft. Es gibt ja ansich so viele schรถne Dinge, die man sich somit autoยญmaยญtisยญtisch verbietet ; und ich auch. Jedenยญfalls bin ich Teil der meinen Zeit und muss mich mit den entspreยญchenden Gepfloยญgenยญheiten auseinยญanยญderยญsetzen, wobei auch hier es Zeitยญgeยญnossen gibt, welche gerne mit Stilen unterยญschiedยญlichster Jahrยญhunยญderte spielen. Mir ist es ein Graus. In der Rezenยญsion solch klasยญsisch orienยญtierter Malerei, die meist einen augenยญzwinยญkernden Hinweis auf die tatsรคchยญliche Entsteยญhungsยญzeit enthรคlt, wird solches gerne als โaltmeisยญterยญlichโ bezeichnet. โ Aber malen kann er, das muร man ihm lassenโ. Und da sag ich, kanner eben nicht. Jedenยญfalls mรถchte ich nix damit zu tun haben.
Aus Freiยญheit wird so langsam aber sicher Engheit. Ich habe den Eindruck, als erwarten mich noch weitere Einschrรคnkungen.
Tatsรคchยญlich sitzt der Vogel schon in einer groรen Voliere. Und ergรคnยญzend zum Anachroยญnismus mรถchte ich noch grundยญsรคtzยญlich den Aspekt Stil hinzuยญfรผgen. Es geht um die Art der Malerei, bzw. der kรผnstยญleยญriยญschen รuรeยญrung. Gerne begreift man scheinhin den Kรผnstler als verwachsen mit seiner Art der Heranยญgeยญhensยญweise. Aber der Stil fรคllt dem Kรผnstler nicht vom Himmel vor seine Fรผรe.
Der Stil ist also auch ein Teil der Freiยญheitsยญbeยญrauยญbung ? Ist es nicht das ausgeยญsuchte Mittel fรผr die kรผnstยญleยญriยญsche Selbstยญverยญwirkยญliยญchung, wie man gerne sagt ?
Ich behaupte mal verallยญgeยญmeiยญnernd, daร das meisยญtens wohl mehr mit den Vorlieben der Personen zu tun hat, die einen kรผnstยญleยญrisch prรคgen oder geprรคgt haben ; manchmal auch in einem antiยญpoยญdiยญschen Sinn. Natรผrยญlich gibt es die Talente, die aus kunstยญfernen Lebensยญwelten und auf der Suche nach indifยญfeยญrent anderer Erfรผlยญlung, in der Akademie oder direkt auf dem Kunstยญmarkt landen, doch wird dieser fast romanยญtiยญsche Weg, gerade in den Zeiten der Streetart, die seltene Ausnahme sein.
Bei mir beispielsยญweise war es mein 11 Jahre รคlterer Bruder, an der Werkยญkunstยญschule hier in Wuppertal lernend, der mich mit 9 Jahren ins Von der Heydt Museum geschleppt hat. Und ich hab erstmal gar nichts kapiert. Ich gab zwar vor, daร es mich interยญesยญsierte, doch habe ich mich gelangยญweilt. Erst nach vielen Jahren der Auseinยญanยญderยญsetยญzung, immer wieder angeยญfacht durch eben meinen Bruder, ging mir ein kleines Licht auf. Mittยญlerยญweile studierte der in Stuttยญgart und meine Besuche dort, also auch an der Akademie, lieรen mir langsam klarer werden, was die dort alle so machen, oder eher probieren. Natรผrยญlich war es auch der so offen zur Schau getraยญgene Lebensยญstil, der die Frage zum kรผnfยญtigen Malstil erstmal etwas in den Hinterยญgrund drรคngte. Mein รคuรerst eingeยญschrรคnkter Blick auf die Szene zeigte mir an, hier gehtโs ab mit Abstrakยญtion. Ich sah Bilder, die nicht als Lebensยญabยญbild gemalt zu sein schienen.
Das geht ja schon sehr in den autoยญbioยญgraยญfiยญschen Anteil unseres, zugeยญgeben immer monoยญloยญgiยญscher werdenden Gesprรคchs hinein. Daher mรถchte ich dich um der Strinยญgenz willen bitten, oder fรผr dich, besser โaufforยญdernโ, den Aspekt der Selbstยญbeยญstimยญmung nicht aus den Augen zu verlieren.
Ja Karin, ich bemรผhe mich ja. Hรถlzken auf Stรถcksken.
Aber der letzte Aspekt, daร die Formuยญlierart einem nicht bei der Geburt zugeยญordnet wird, sondern man sich diese durch Zufall und Mode instalยญliert, ist schon dazu gehรถrig. So war es bei mir und ich will Beweise, wenn diese Erfahยญrung nicht verallยญgeยญmeiยญneยญrungsยญfรคhig wรคre. รber die Aneigยญnung eines Stils hat der kรผnfยญtige Kรผnstler sich in ein Nest gesetzt, von wo aus man sich zunรคchst mal orienยญtieren kann. Da mรถgen schon mal herrยญliche Plagiate entstehen. Im besten Fall kann man sich mรถglichst bald emanยญziยญpieren, man findet zu etwas Eigenem, macht einen eigenen Stil auf. Eigentยญlich aber handelt es sich zumeist um eine Variยญante, eine persรถnยญliche Ergรคnยญzung der bekannten Kunstยญwelten. Groรe Sprรผnge sind groรe Ausnahmen.
Der Stil, die Festยญleยญgung des Handยญlungsยญraumes ist also eine Grundยญvorยญausยญsetยญzung, die einem vor dem Bild das Machen erst ermรถglicht.
Ich jedenยญfalls habe mich erstmal mit sehr sensibel ausgeยญfรผhrter Abstrakยญtion versucht. Als ich mich sozuยญsagen als sehr gut darin befand, kam es zu einer ersten Irriยญtaยญtion. Nรคmlich kamen die โJungen Wildenโ. Ich wusste nicht was jetzt zu tun sei und mein fragender Blick in die Runde stieร erstmal auf keine Antworten. Diese Vorbeยญhaltยญlichยญkeit kann ich jetzt natรผrยญlich gut verstehen, schlieรยญlich gab es auch viel zu bemรคยญkeln. Doch stellte ich mit gewisser Verzรถยญgeยญrung fest, daร die Protยญagoยญnisten meines kleinen Ausschnitts der Kunstยญwelt, mehr und mehr Veheยญmenz in ihre Kunst einflieรen lieรen. Der Bezug auf Realiยญtรคten des Lebens, Kรถrper, Formen, wurden mit dem Willen der Betrachยญterยญerยญkennยญbarยญkeit in Szene gesetzt. Gerade Elisaยญbeth Minke mรถchte ich erwรคhnen, die vom Farbยญaufยญtrag irgendwie an Schuhยญmaยญcher erinยญnerte, dabei aber groรยญzรผgig das Kรถrperยญhafte gegen das vรถllig abstrakte Bild รคlterer Tage austauschte. Das war herrยญlich fett gemalt, dabei tiefยญgrรผndig und angeยญnehm rotzig. Sehr befreiend, auch was die Erfahยญrung von Verรคnยญdeยญrungsยญmรถgยญlichยญkeit angeht. Auch ich versuchte mir das zu Eigen zu machen. Da war ich so zwischen 17 und 20. Nicht frรผh, nicht spรคt.
Solch eine Festยญleยญgungsยญbioยญgrafie ist also strengยญgeยญnommen eine Einschrรคnยญkung, welche, bleiben wir im Bild, die Voliere enger macht. Aber, wie ich jetzt aushoยญlend genug hoffe dargeยญlegt zu haben, die ganze Freiยญheit ist ja auch zu groร, damit kann man nix anfangen, einfach nicht arbeiten. Und daher ist wohl ein Nachยญweis selbstยญbeยญstimmter Kรผnstยญlerยญhandยญlung darin zu finden, sich in den soeben behanยญdelten Fragen posiยญtioยญniert zu haben.
Und so kann es losgehen mit der Kรผnstยญlerยญwerยญdung, mit der Vereinยญnahยญmung und natรผrยญlich auch der Entwickยญlung der formalen, mehr oder weniger gewรคhlten Grundยญbeยญdinยญgungen. Da jetzt jetzt der Kรคfig erstmal passt, kann man sich einrichten, gewinnt den nรถtigen Tunnelยญblick und die Konzentration.
Also endlich wieder zum Bilde selbst und der herrยญliยญchen Situaยญtion, wo das Bild noch lange nicht oder schon lรคngst entschieden ist.
Ja, einen langer Haken hast du geschlagen, bis du dich jetzt doch endlich wieder dem Zwischenยญziel, nรคmlich meiner Frage zurรผckยญnรคยญherst. Ich hรคtte das jetzt von dir Dargeยญlegte gerne anders in unser Gesprรคch platยญziert. Meiner Ansicht nach ist die Verquiยญckung der biograยญphiยญschen Selbstยญfinยญdungsยญakยญtionen in der Frรผhยญphase des Kรผnstยญlerยญseins bzw. โwerdens, mit deinem Selbstยญbeยญstimmtยญheitsยญeinยญdruck vor dem Bild selbst, etwas unglรผckยญlich. Es mag der Oberยญbeยญgriff der โFreiยญheitโ gewesen sein, welcher dich jetzt mรคanยญdern lieร. Nun gut, haben wir das dann somit auch. Jetzt ist nichts mehr zu รคndern und Lesen und Verstehen haben Andere zu leisten.
Ja, du hast ja recht, gute Freundin. Dein analyยญtiยญsches und strukยญtuยญrierยญfรคยญhiges Wesen hat sicher frรผher als ich gemerkt, daร da was aus dem Ruder lรคuft. Trotzdem war es mir wichtig zu erlรคuยญtern, daร der Begriff Selbstยญbeยญstimmtยญheit, den ich ja zuvor leichtยญfertig im Sinne des Malproยญzesses verwandt habe, also daร der auch im รผberยญgeยญordยญneten Aspekt des Kรผnstยญlerยญseins oder seiner Werdung, wichtig ist. So hรคtten wir wenigsยญtens den chroยญnoยญloยญgiยญschen Ablauf gewahrt, denn erst gibtโs den Kรผnstler, dann die Kunst. Obwohlโฆ
Was war jetzt mit deiner herrยญliยญchen Situation ?
Also, die Ausgangsยญsiยญtuaยญtion ist nunmehr fertig, der Bildยญtrรคger jungยญfrรคuยญlich und es kann losgehen. Das gute Bild ist ferner denn je, Zwischenยญziel ist nur, daร irgendwas passiert, auf dem man aufbauen kann. Es gibt die freuยญdige Erwarยญtung und das Wissen, daร man jetzt gar nichts falsch machen kann. Farbe, Pinsel, Auftragsart, gewรคhlt nach reinem Belieben. Alles ist willยญkommen. Musik erhรถht die Vollยญkomยญmenยญheit des Augenยญblicks. Noch bin ich ganz eins mit mir und meinem fehlenden Anspruch. Und es passieren die Dinge. Dรคmlichยญkeiten werden belรคยญchelt und ausgeยญhalten, Schlauยญheit befeiert, schnell aber wieder wegen Dummยญheit gefeuert. So geht das ein paar Stunden, die Laune ist gut noch, doch langsam beginnt der Ernst des Ersatzยญleยญbens. In der Regel sind jetzt schon ein paar Ansรคtze vorhanden, die man als Basis weiterer Vorgeยญhensยญweise ausproยญbieren kann.
Aber, und ich rede jetzt natรผrยญlich รผber eine rein exemยญplaยญriยญsche Situaยญtion, so langsam wird die Sache zรคh. Und die groรe Prachtยญallee, gesรคumt von den vielen vielยญverยญspreยญchenden und nicht genutzten Mรถglichยญkeiten, wandelt sich langsam in einen schmalen Weg. Wobei die Konzenยญtraยญtion steigt, die Musik nervt und ich mich doch wieder mit meinen Unzuยญlรคngยญlichยญkeiten beschรคfยญtigen muss. Jetzt brauche ich drinยญgend einen Halt ; in Form einer Form. Ich brauche etwas aus dem Leben. Und die Angeยญleยญgenยญheiten, welche sich bereits auf dem Bild versamยญmelt haben, mรผssen mich daran erinยญnern ; oder ich muss es durch weitere, nun eben lรคngst nicht mehr so unbeยญschwerยญliche Aktiยญviยญtรคten provoยญzieren. So was kann schnell gehen, kann aber auch ein paar Sitzungen dauern.
Das erinยญnert mich jetzt sehr an Alexยญander Cozen mit seiner Beschreiยญbung von der Herstelยญlung dieser Blots, erinยญnerst du dich ?
Nรถ, irgendwie nich.
Der Blotยญmann, dieser russiยญsche Englรคnder, der nach Italien gegangen ist und so schรถn die Kontexยญtuaยญliยญsieยญrung von Fleckenยญzeichยญnungen beschrieben hat, etwa um 1800 rum.
So Constable und so, Hugo (Victor) auch.. Mir schwant was.
Leider kann ich das jetzt im Gesprรคch nicht zitieren und werde das aber als Anmerยญkung einfรผgen.
(dies hiermit und im Nachยญhinein getan : โEinen Blot zu machen, bedeutetโฆ.Flecken und Formen mit Tinte auf Papier zu bringen, womit zufรคlยญlige Formenโฆproduziert werden, von denen dem Verstand Ideen prรคsenยญtiert werdenโ. 1785)
Dann kann ich jetzt leider auch nicht wirkยญlich darauf eingehen, wobei ich mir sicher bin, daร dein Zitat passend wรคre. Versuche ich also fortzufahrenโฆ.
Mittยญlerยญweile am Liebsten sind mir unverยญfรคngยญliche Gegenยญstรคnde, die schnell erkennbar, arm an Bedeuยญtung und frei von Symbolik sind. Die Sachen sollen nur formale Stรผtzen fรผr das Bild sein ; wobei hรคufig auf meinen proklaยญmierten Willen keine Rรผckยญsicht genommen wird und kleine Geschichten durch Anhรคuยญfung von Dingen und Kรถrpern entstehen. Das ist wohl dem Menschen eigen, also der Autoยญmaยญtismus Zusamยญmenยญhรคnge zu konstruยญieren, sobald sich zwei erahnยญbare Dinge auf dem Bilde tummeln.
Oft ist es auch so, daร sich beispielsยญweise eine Figur im Bild platยญziert und diese alsbald ihre naturยญgeยญmรครen, oder sagen wir mal schlรผsยญsigen Kumpels mitbringt. Beim Soldat 2 waren es die Accesยญsoires, der Pistoยญlenยญhalfter, das Messer, der Horiยญzont mit Einschlรคgen. Und beim mรผden Auto war es halt der Repaยญrierยญverยญsuยญcher, der Maulschlรผssel.
Maulยญschlรผssel, wo ?
Da !
Das erklรคrt mir den manchmal hervorยญtreยญtenden Surreaยญlismus in deinen Bildern. Et kรผtt wie et kรผtt, Hauptยญsache es sieht gut aus.
Und macht keinen รrger !
Und der Rest wird vom Betrachter schon in die erzรคhยญleยญriยญsche Reihenยญfolge gebracht. Ein รคlteres Bild fรคllt mir dazu, gewisยญserยญmaรen exemยญplaยญrisch ein, ein Hausยญstรผck, Grundton Rosa mit einer Person mit nur einem Bein oder so. Da kommt aber noch eine Ebene hinzu. Auf diesem Bild befinden sich Hรคuser, die belebt, oder besser gesagt, lebendig wirken, haben Augen, Mรผnder, schauen.. Nun besitzen Hรคuser ja hรคufiger eine Gesichtsยญchaยญrakยญteยญristik, du aber scheinst grundยญsรคtzยญlich gerne mit diesem Mรฉtier zu spielen, welches man ja auch aus Comics, nehmen wir nur den groรยญarยญtigen George Herriman zur Erinยญneยญrung, kennt.
Au ja, der Verlebendisierungsfaktor..
Danke fรผr diesen Neologismus !
Geschenkt ! Aber schau, der Flugยญkรถrper 2 (Bild an Wand). Das ganze Teil ist eine Mischung aus Vogel und Flugยญzeug. Es hat Auge und Propeller, hat eine Piloยญtenยญkanzel, benรถยญtigt aber keinen Piloten. Der Ausdruck ist von freuยญdiger, vielยญleicht etwas aggresยญsiver Anspanยญnung und groรem, unaufยญhaltbar scheiยญnendem Flugยญwillen. Ich liebe dieses Bild und es erstaunt mich immer wieder.
Oder bemรผhen wir noch mal das Mรผde Auto. Es kann kaum seine Lampenยญaugen noch aufhalten, wรคhrend man sich um es bemรผht. Kenn ich auch, sowas.
Aber die surreale Heranยญgeยญhensยญweise ist nun mal zugeยญgeยญbeยญnerยญmaรen auch ein einfaยญcher und sich immer wieder anbieยญtender Effekt, da ich mich, bedingt durch seine Wesenยญhafยญtigยญkeit, nie fรผr irgendยญeine Erzรคhlยญform rechtยญferยญtigen muss und er mich daher, hinsichtยญlich der maleยญriยญschen Natur meiner Arbeit nicht einschrรคnkt, sondern mir, so ganz nebenbei, noch eine kleine Freude und Kurzยญweil zu bereiten in der Lage ist. Ich glaube, viel schwerer wรคre es, wenn ich echt deutungsยญsiยญcher einen Sachยญverยญhalt maleยญrisch schilยญdern mรผssteโฆund viel langweiliger.
Aber mir scheint doch, daร der Anteil der nachยญvollยญziehยญbaren Erkennยญbarยญkeit der Gegenยญstรคnde, Kรถrper und der sich daraus entwiยญckelten Geschichten fรผr dich grรถรer und auch wichยญtiger ist, als du gemeinhin gerne im kurzen Normalยญgeยญsprรคch zugibst. Du beschreibst dich ja gerne zwar als Nutzer dieser Angeยญleยญgenยญheiten, vergisst aber nie deutยญlichst darauf hinzuยญweisen, daร im Grunde die reine Malerei dein Hauptยญanยญliegen ist. So ganz glaube ich dir jetzt nicht mehr.
Zurecht ! Es ist eben wie immer, so und genau so anders. Das ist auch ein guter Vorteil der Kunst, der brotยญlosen. Man kann so konseยญquenzlos inkonยญseยญquent sein. Aber trotz der Ironie, die du zum Ausdruck bringst, danke ich dir fรผr die Aufdeยญckung dieser Tatsache.
Allerยญdings interยญesยญsiert es mich tatsรคchยญlich ansich nicht, ob meine Geschichten dem Betrachter schlรผssig sind. Es ist mein Salz in meiner Suppe. Und natรผrยญlich hat immer das Anliegen vorrangig erkennbar zu sein, daร ich nรคmlich Tatsaยญchen schaffe und keine Illusionen !
Also grundยญsรคtzยญlich gilt, was ich mal so formuยญlierte :
Form und Inhalt treffen sich.
Form sagt zu Inhalt : โIch liebe dich!โ
Inhalt sagt zu Form : โIch brauche dich!โ
Bei kontrรคrem Anliegen geht das natรผrยญlich auch umgekehrt.
Dann defiยญnierst du das Lieben als zweitยญrangig dem Brauยญchen gegenรผber ?
Wennยดs hart auf hart kommt, schon. Brauยญchen ist absolut exisยญtenยญtiell und essenยญtiell. Ein Wein ohne Glas ist Pfรผtze. Trotzdem komme ich, wie schon gesagt, nicht ganz ohne das Abbildยญhafte aus. Dieses Spiel aus Wiederยญerkennen und Loslรถยญsung ist wohl mein Ding. Zuminยญdest was meine Bilderยญherยญstelยญlung angeht.
Wenn wir im Museum, also Leipzig, Kopenยญhagen, oder natรผrยญlich im Von der Heydt waren, ist mir diese Prรคfeยญrenz nicht aufgeยญfallen. Manchmal konnยญtest du es sehr genieรen, wenn die Dinge eine realisยญtiยญsche Neigung hatten.
Du ja auch. Vielยญleicht haben wir uns da gegenยญseitig hineingesteigert.
Nein, ich bin halt manchmal รผber die Technik baff erstaunt. Das hat dann nicht unbeยญdingt etwas damit zu tun, ob mir im Endefยญfekt das Bild gefรคllt. Umgeยญkehrt, also was das Gegenยญteil von Realismus angeht, hat mich eine Ausstelยญlung von Kurt Kocherยญscheidt in Bottrop umgeยญhauen, der trotz aller maleยญriยญscher Gestik und Lebenยญdigยญkeit im Farbยญaufยญtrag, sich jegliยญcher Bezugsยญherยญkunft entzogen hat. Herrยญliche Bilder. Immer wieder meinte ich, wie bei einem Rรคtsel ein bissยญchen, das dem Leben Entnomยญmene aus der Abstrakยญtion herausยญlesen zu kรถnnen, aber da war nix zu machen. Und ich bin ansich recht gut darin. Im Grunde genommen aber ist mir die Malart nicht so wichtig. Vielยญmehr muss es eine Seele haben.
Vorsicht Glatteis ! Was ist das ?
Ich wusste es. Aber ich versuch jetzt nicht allzu sehr zu schlitยญtern. Folgendes Beispiel : manchmal kann man sich den Museยญumsยญbeยญsuch nicht aussuยญchen. Man ist vor Ort, ob gut drauf oder eben nicht. Dann geht man natรผrยญlich trotzdem rein. Die Aufnahยญmeยญfรคยญhigยญkeit ist deutยญlich nicht vorhanden, es fehlt an Lust und Wachยญheit. Dann sind die Bildยญbeยญtrachยญtungen eher ratioยญnaler Natur. Das ist schon in Ordnung, hat aber eher etwas angeยญnehm bildungsยญbรผrยญgerยญliยญches. Nach dem Motto, gut, hab ich das jetzt auch mal gesehen, nรคchstes Meisยญterยญwerkโฆ Ich bin also beschรคfยญtigt mit meinen nachยญsichยญtigen Betrachยญtungen, da ich ich mir ja meiner eigenen defiยญziยญtรคren Grundยญbeยญdinยญgung sehr wohl bewusst bin, und dann plรถtzยญlich, wenn ich viel Glรผck habe, und ich so ich um die Ecke komm, dann hรคngt da was, etwas was jede Ratioยญnalยญabยญwรคยญgung auรer Funkยญtion setzt und mich zur Maulยญhalte bringt ; wenn da so was hรคngt, dann haut mich das um. Das ist Glรผck, und Glรผck ist selten. Verstehen tu ich das eben nicht, daร ein wenig getrockยญnetes รl, vermischt mit Steinยญpulver auf Leinen sowas auszuยญlรถsen in der Lage ist. Diese Erfahยญrung ist so unmitยญtelbar und irraยญtional, daร alle vorheยญrigen Heranยญgeยญhensยญweisen wie leblose Fรผr und Wider โ Abhandยญlungen wirken. Und sollte ich mal vergessen haben, warum ich das Ganze mache und mag, dann weiร ich es in diesen Augenยญbliยญcken auf der Stelle wieder.
Und daher nenne ich solche Produkte eben Dinge mit Seele. Und ob das nun eine Brown, ein Tintoยญretto oder Soutter ist, das ist mir so was von..
Jetzt mache ich mal einen Querยญschlรคger ! Wenn du schon diese Namen, hinter denen so unterยญschiedยญliche Malweisen und Zeiten stehen, nennst ; du auch vorhin sagtest, die Malart sei dir nicht wichtig, wรผrdest du gerne auch gerne mal anders malen ? Aus deinem passenden Schuh schlรผpfen ?
Ich habe eine Vorstelยญlung davon, wie es ist eine Art Studie zu malen oder zu zeichnen, ja. Wo weniger die Kompoยญsiยญtion im Vorderยญgrund steht, weniger das Herausยญkitยญzeln origiยญnรคrer Mรถglichยญkeiten. Vielยญmehr habe ich eine romanยญtiยญsche Vorstelยญlung, genauest mรถgliche Beobยญachยญtung auf Papier oder Kapaยญplast zu bringen. Eine schรถne kontemยญplaยญtive Arbeit, wie seit ein paar hundert Jahren und zuweilen immer noch รผblich. Auch hier stelle ich mir vor, mich angeยญnehm zu verlieren, ohne alle Eitelยญkeit. Wie beim Akt- oder Naturยญzeichnen. Man fรคngt an und arbeitet sich durch. Akribie, verbunden mit disziยญpliยญnierter Ruhe. Und das, ohne immer gleich zu schauen und zu reflekยญtieren. Aber ich bin wohl recht ungeยญduldig und mir wird langยญweilig, Nicht aber, daร solche Hervorยญbrinยญgungen langยญweilig seien.
Und da fรคllt mir jetzt doch gerade ein, was ich an Malaufยญgabe ein wenig vor mir hertreibe. Ich mรถchte mich doch mal an einem durchweg assoยญtiaยญtiยญonsยญfreiem, also an einem Erzรคhl โ und gegenยญstandsยญlosen Bild versuยญchen. Die Dinge nicht nutzen, auf die ich mich vorhin noch angeยญwiesen erklรคrt habe. Da bin ich gespannt drauf, habe aber auch ein gewisses Muffensausen.
Die Antiยญpode dazu muss ich natรผrยญlich auch noch nennen. Was mich total anรถden wรผrde, wรคre Schreibยญtischยญkunst. Kunst also, die ausgeยญdacht wird und im Maรstab 1 zu 1 umgeยญsetzt wird, ohne einen Verwilยญdeยญrungsยญproยญzess durchยญlebt zu haben, wie ich ihn sicherยญlich noch beschreiben werde und es schon getan habe. Das sind dann meist die Dinge, die treffยญsiยญcher poliยญtiยญsche und/โoder gesellยญschaftยญliche Misstรคnde anklagen kรถnnen. Meiner รberยญzeuยญgung nach ist Kunst in erster Linie selbstยญbeยญzรผgยญlich, gerne auch selbstยญreยญfeยญrenยญtiell genannt.
Dann aber bitte autoreferentiell.
OK. Du hast natรผrยญlich recht. Die grรถรte Kraft entwiยญckelt Kunst, wenn sie komproยญmisslos ihren eigenen Gesetzen der รsthetik folgen kann. Sobald Kunst Propaยญganda und Transยญportยญmittel wird, verliert sie an ebenยญdieser Wirkยญkraft. Es gibt natรผrยญlich und wie immer schรถne Gegenยญbeiยญspiele, doch eben selten. Im besten Fall ist diese Betrofยญfenยญheitsยญkunst von unfreiยญwilยญliger Lustigยญkeit, meist mich peinยญlich bis agressiv berรผhยญrend. Aber darรผber habe ich mich schon mal eingeยญhender aufgeยญregt (Lieber Herr Brindl Art),
Bist du das also noch los geworden.
Wenn ich schon mal so was รคhnliยญches gefragt werdeโฆ Aber ansich bin ich schon zufrieden mit ebenยญdiesem Schuh. Gut ausgeยญsucht, hoffentยญlich nicht zu bequem und doch flexibel. Wir sind mittยญlerยญweile miteinยญander verwachsen, da brauch ich nicht groร was Neues.
Und wie ich so gerne Lemmy Kilmยญinster zitiere : โ Man kann halt nicht alles haben. Wo willste auch hin damit!โ
Gut, dein Verhรคltnis zu Abstrakยญtion und Konkreยญtion ist hinreiยญchend behanยญdelt, wie ich meine. Jetzt lass uns doch wieder zu deiner Arbeitsยญbeยญschreiยญbung zurรผckยญkommen. Du hattest erzรคhlt, wie du ein Bild beginnst. Und ich darf dich erinยญnern, daร du Anfang und Ende als Selbstยญbeยญstimmt bezeichnet hast.
Ja dann eben zum Ende ; und spรคter durch die Mitte ins Herz..
Also, alles ist soweit geschafft. Alles ist posiยญtioยญniert, formuยญliert und betreut. Musik erschallt, meine Nachยญbarin meint, ich tรคte pfeifen dazu, und ich beginne kleine Fehler zu suchen. Diese werden mit hรถchster Raffiยญnesse altmeisยญterยญlich zunichte gemacht und ich freue mich, wieder etwas geschafft zu haben, was nun zu mir gehรถrt, Teil meines Selbstยญverยญstรคndยญnisses sein wird.
In diesem spรคten Stadium bin ich der Souverรคn, der glรผckยญlich, und sicher auch selbstยญherrยญlich รผber Wohl und Weh bestimmt, Gnade vor Recht trotzdem nicht zulรคsst und seiner Geniaยญlitรคt einen weiteren Beweis gefรผhrt hat. Fรผr den holpยญrigen Entsteยญhungsweg mit all meinen Unzuยญlรคngยญlichยญkeiten habe ich nur Hohn und Spott. Ne, so was Schรถnes habe ich noch nicht gemalt !
Schรถn. Das waren dann quasi die angeยญnehmen Seiten der Bildยญherยญstelยญlung. Trotz aller Befรผrchยญtung, daร jetzt Darstelยญlungen von Verzweifยญlung, Hunger, Durst und Selbstยญverยญachยญtung folgen, mรถchte ich jetzt doch hรถren, wie du dich zwischen Anfang und Ende begreifst. Geh in die Mitte !
Ist ja fast wie eine Sรฉance. Ich verstehe, spirisยญtisch und spiriยญtuell sind ja manchmal nahe beieinander.
Sollten sich die Dinge รผberยญlaยญgern, werde ich trennen.
Die Mitte. Selbstยญzweifel ? Hunger und Durst ? Na logo !
Aber wennยดs gut lรคuft ist das alles aushaltbar. Auรerdem gibt es Chineยญsiยญsche Instantยญsuppen, die sind immer ein gutes und leichtes Atelierยญessen. Hat mein Professor schon, wie so vieles, mir mit groรer Prรคziยญsion implementiert.
Nun der Anfang ist getan, der erste Gegenยญstand hat sich eingeยญfunden, welcher aber wie eine blinde Neugeยญburt noch so gar nichts mit seiner Umgeยญbung anzuยญfangen weiร. Also fange ich an, die Situaยญtion fรผr selbige zu verbesยญsern. Manchmal ist das eine Murkยญserei, mal ergibt es sich verdรคchtig schnell und fast selbstยญstรคndig. Im ungรผnsยญtigsten Fall erweist sich dann doch dieser Weg als Holzweg und ich muss mich querยญfeldein retten. Das fรคllt naturยญgemรคร schwer, kostet echte รberยญwinยญdung. Meisยญtens aber bleibt mir das erspart. Weiรt du eigentยญlich warum der Holzweg Holzweg heiรt ?
Schweig und sprich ! Strinยญgenz bitte !
In der Regel konzenยญtriert sich das Bild immer mehr, die Standยญhafยญtigยญkeit der Posiยญtioยญnierten wird grรถรer. Immer wieder provoยญziere ich, nehme Abstand und entscheide รผber Wohl oder Weh der letzten Aktionen. Und ich bin, mit dem was ich weiร, oder vielยญmehr glaube zu wissen, mein einziger Berater. Es ist ein Art Zwieยญgeยญsprรคch. Natรผrยญlich weiร ich, daร der Zustand auch mediยญziยญnisch erklรคrbar wรคre. Aber was hat Hugo Chรกvez den Veneยญzoยญlaยญnern zugeยญschrien?: โ Ich bin nicht ich. Denn ich bin das Volk!โ Das ist doch abgefahren.
Dieser Utopist hat das Volk mit solchen Worten mitgeยญrissen. Eine Zeit lang. Aber eine interยญesยญsante Aussage. Und auch die Nรคhe, die du dazu herstellst. Es hรถrt sich eigentยญlich an, als versuchยญtest du รผber die Erfinยญdung des Beraยญters eine Art Objekยญtiยญvitรคt zu imagiยญnieren. Das mรถchte ich durch die Frage vertiefen, wie deine Entscheiยญdungen nun entstehen ? Was ist gut oder schlecht ? Sind das unverยญbrรผchยญliche Gesetze oder hรคngen deine Reguยญlaยญrien nicht vielยญmehr von deinem indiยญviยญduยญellen, nicht zwangsยญlรคufig allgeยญmeinยญgรผlยญtigen Werteยญkanon ab ? Kann es sein, daร du eine Suppe kochst, die nur dir schmeยญcken muss ? Auch wenn Andere sie vielยญleicht mรถgen kรถnnen ?
Hm. Das tut ein wenig weh. Alleinยญheit zieht einsame Entscheiยญdungen mit sich. Und natรผrยญlich fรผhrt das dazu, daร die Betrachter diese nicht unbeยญdingt nachยญvollยญziehen kรถnnen. Auch sollte es gefallen, ist es mรถglich, daร sie etwas Anderes mรถgen, als ich es Ihnen mit dem Bild aufzuยญdrรคngen versuche. Dann gebe ich die Deutungsยญhoยญheit eben ab. Und das, nennen wir es Zwieยญgeยญsprรคch, ist nicht instalยญliert, sondern nun mal qua Vorhanยญdenยญsein aktiv.
Vielยญleicht handelt es sich ja in deinen Entscheiยญdungsยญakยญtionen um einen Irrtum der bewussten Art, eine Stรผtze, die alles erst machbar werden lรคsst!?
OK. Da kann ich dir recht geben. Natรผrยญlich lass ich zu, daร ich quasi mir vormache, der oberste Schรถnยญheitsrat hat entschieden, daร der rote Fleck unten links eine Ehrenยญmeยญdaille zweiten Ranges erhรคlt ; und alle Ewigยญkeiten tragen darf. Klar, alles meine Suppe, in der ich koch. Aber sozuยญsagen pars pro toto. Natรผrยญlich gibt es mehr Zweifel als Einigยญkeit in einer allgeยญmeinยญgรผlยญtigen Bewerยญtung von Kunst. Allein, daร ich mich mit รคhnlich Interยญesยญsierten doch zum Teil prรคchtig und ins Mark trefยญfend รผber Kunst unterยญhalten kann, lรคsst mich an deiner Annahme hoffend zweiยญfeln. Klar, am Besten ging das mit Andreas (Bruder, tot), wobei hier natรผrยญlich ein Geschmรคckle mitschwingt, daร da eine gewisse Prรคgung mitschwingt. Sicher muss es immense Unterยญschiede in der Bewerยญtung geben, sonst wรผrde man ja nicht von 98 % Schrott umgeben sein. Und wenn dieser Eindruck auch noch von allen geteilt wird, die 2% aber einer flexible Verteiยญlung unterยญworfen sind, รคh ja dannโฆ dann hast du schon wieder recht. Trotzdem. Es gibt ja zum Beispiel die Klasยญsiker. Wer mag Velazยญquez nicht ? Wer kann Bruegel nicht leiden ? Wenn sie das Herz und den Verstand auf rechten Flecken haben, dann mรถgen sie, kรถnnen sie auch sagen warum. Ein bissยญchen zuminยญdest. Annรคยญheยญrung รผber den eigenen Geschmack โ und รผber den lรคsst sich ja bekanntยญlich herrยญlich streiten. Aber natรผrยญlich gibt es einen Haufen Menschen wo Hopfen und Malz verloren ist โ oder wie ich immer so gerne sage, bei Blindยญheit hilft auch keine Brille nicht.
Ist es nicht aber ledigยญlich eine Art gesellยญschaftยญliยญcher รberยญeinยญkunft, wobei wir natรผrยญlich nur von einem recht geringem Bevรถlยญkeยญrungsยญanยญteil von Kunstยญinยญterยญesยญsierten spreยญchen, gerade die Klasยญsiker toll zu finden. Was fรผr ein Hype auch bei den Impresยญsioยญnisten. Da kann doch jeder mit, habe ich den Eindruck. Was da an einsยญtigem Revoยญluzยญzertum und Bahnยญbruch es in die bรผrgerยญlich konserยญvaยญtive Mitte geschafft hat. Der Konsens ist hier sicherยญlich hรถher als bei der aktuยญellen Kunstโฆ
Sicherยญlich ist die Kunst verganยญgener Epochen auraยญtiยญsierter und unter dem Deckยญmantel des Alters erstmal bekรถmmยญliยญcher wirkend. Aber natรผrยญlich nur an der Oberยญflรคche. Gute Kunst trรคgt sich รผber die Zeiten ; und daร man heute รผber Werke streiten kann, die vor Hundert oder Dreiยญtauยญsend Jahren gemacht wurden, lรคsst den Schluss zu, daร zwar die Stile gewechยญselt haben, doch der Werteยญkanon, bzw. das Qualiยญtรคtsยญsystem stabil funktioniert.
Wie heiรt es so schรถn in einer Werbung ? Die Mode wechยญselt, der Druckยญknopf bleibt !
Und daร man mal vielยญleicht zu viel von einer Sache hatte, woraufhin der Appetit erstmal darauf gestillt und manchmal fรผr lรคngere Zeit abgeยญklungen ist, das ist doch normal. Meine Gรผte, was habe ich mir frรผher den Picasso reinยญgeยญzogen, konnte gar nicht genug Bรผcher und Ausstelยญlungen mir anschauen. Ein wunderยญbares Vorbild kรผnstยญleยญriยญscher Haltung und Arbeitsยญweise ; so wie auch Dieter Roth es ist. Da hรคngt er (Bild an Wand). Aber irgendยญwann warยดs dann auch gut mit PP. Das macht ihn nicht schlechter, aber ich bin dieser Bilderยญfinยญdung ein wenig รผberยญdrรผssig, bringt mir gerade nichts. Zuminยญdest theoยญreยญtisch. Stehe ich dann wieder davor, ist mal wieder alles anders. Und auรerdem, mal ungeยญwรถhnยญlich und hoffentยญlich erholsam pragยญmaยญtisch ; wer hรถrt sich schon stรคndig die gleiche Platte, die gleiche Musik an. Das Beste wird irgendยญwann langยญweilig und รผberยญschaubar. Dann kommt das neue Beste.

Und natรผrยญlich teile ich leider deinen Zweifel auch an mir, den du etwas zuvor formuยญliert hast. Dafรผr habe ich mich selber schon hรคufig genug bei meinen eigenen Sachen geirrt. Denn nach getaner Arbeit gibt es hรคufig, oder eigentยญlich immer, eine schรถne Verliebtยญheitsยญphase. Ich bin dann sehr parteiยญisch und ergriffen. Das dauert meist ein halbes Jahr. Dann tritt die Abkรผhยญlungsยญphase ein. Es gibt halt andere Anhรคngยญlichยญkeiten mittยญlerยญweile. Manchmal aber entsteht auch Entfremยญdung und, selten zwar, Unverยญstรคndnis oder gar Abscheu. Gut, war halt ne Phase, is vorbei. Aber natรผrยญlich รคrgere ich mich, da natรผrยญlich mein untrรผgยญliยญcher Instinkt, mein Bewerยญtungsยญsystem damit angeยญgriffen ist ; wenn ich mich dann selber nicht mehr verstehe, warum ich was gemacht habe. Und damit gebe ich dir also schon wieder recht in deinem scharfยญsinยญnigen wie aber auch scharfยญrichยญterยญliยญchen Zweifel an meiner Arbeitsยญweise. Aber was soll ich machen. Der Irrtum ist also die stรคnยญdige Gefahr und damit muss ich wohl leben. Arno Schmidt hat mal gesagt, so oder รคhnlich : Die Welt ist so groร, daร jeder darin Unrecht haben kann.
Du schaffst es doch immer wieder, die gedankยญliche Strinยญgenz unserer Zusamยญmenยญkunft zu unterminieren.
So sind Gesprรคche nun mal.
Das ist eher kein Gesprรคch sondern ein Frage/โAntwort Spiel, nur daร ich irgendwie den Eindruck habe, daร deine Antworten nicht immer direkte Reakยญtionen auf meine Fragen sind.
Das ist doch wie in der Kunst : man will das Eine und kriegt das Andere.
Geht aber auf Kosten der Nachvollziehbarkeit.
OK Dann hรคtten wir auf das direkte Gesprรคch verzichten mรผssen. So macht es aber doch mehr Spaร, wenn auch so verwirยญrend wie das Leben selbst.
Kommen wir aber doch jetzt zurรผck auf die Bildยญfinยญdung, die zeitยญlich in der Mitte liegt.
Ja natรผrยญlich. In dieser Phase also, die stimยญmungsยญmรครig unkalยญkuยญlierbar ist, genau wie auch der Fortยญschritt, entscheidet sich dann der Charakter des Bildes. Heiter oder wolkig, beschauยญlich und zart oder eher wรผst. Ich lass mich da treiben, empfinde mich manchmal als verantยญworยญtungsยญbeยญfreit, mehr Medium. Ich weiร, ist natรผrยญlich Quatsch. Im Fall, daร es gut lรคuft, kรถnnen viele Entscheiยญdungen gut getroffen werden, die Konzenยญtraยญtion ist hoch und ich vergesse die Zeit. Dieses schรถne Eintauยญchen, das ist Glรผcksยญerยญfahยญrung. Natรผrยญlich kennt man aus vielerlei Beschreiยญbungen diese Art von Rausch und der ist eine wichยญtige Antriebsยญfeder. Jedenยญfalls passieren in diesem Zustand viele Dinge auf dem Bild, die sich vermeintยญliยญcher Bewusstยญheit entziehen. Der nun hinlรคngยญlich beschrieยญbene Dialog wird leiser, die Entscheiยญdungen reduยญzieren sich auf Richtig und Falsch, fast wie ein Impuls. Im Grunde genommen passieren jetzt die wichยญtigen Dinge auf dem Bild, der Ursprung des Geheimยญnisses und der Fasziยญnaยญtion, die einem jeden Bild angeยญhรถren mรผssen, um ein gutes Bild sein zu kรถnnen.
Wรคhrendยญdessen verรคnยญdert sich auch das Zeitยญempยญfinden, die Uhr rast nur so. Und wenn ich dann aus dem Zustand wieder herausยญkomme, kann ich mich im idealen Fall eines Bildes erfreuen, was mir ausreiยญchend genug fremd ist. Nicht wie von anderer Person gemalt, doch besser als ich es glaubte zu kรถnnen, mit deutยญliยญchen Fremdยญspuren und unbeยญkannten Erweiยญteยญrungen. Hernach kann ich mir dann Gedanken machen, was ich damit anfange, wie ich das einordne.
Wie unsere gemeinยญsame Freundin Ulrike (Fahrney, Psychoยญlogin) einmal sagte, Unbeยญwusst ist Unbeยญwusst und bleibt das auch. Kann also nicht bewusst werden.
Daran erinยญnere ich mich gerne. Auch, daร sie sagte, daร trotz aller Weitยญsichยญtigยญkeit von Freud, dies sein Fehlยญverยญstรคndnis war. Wir setzen der Unbeยญwusstยญheit unsere, dem Bewusstยญsein entsprunยญgene Erklรคrmยญodelle entgegen. So ungeยญfรคhr habe ich das in Erinยญneยญrung. Insoยญfern ich nur Maler und kein Patient bin, ist mir das auch ausreiยญchend recht ; und รผberยญhaupt gefรคllt mir diese Erklรคยญrung irgendwie.
Gut, jetzt hast du einen Prรคzeยญdenzยญfall beschrieben, der ideal verlaufen ist. Du hast einen schรถnen Zustand dargeยญstellt, den vielยญleicht jeder kennt, der aber nicht so leicht zu provoยญzieren ist.Ich nehme mal an, daร hier die Chemie die angeยญnehme und berauยญschende Stimยญmung im Kopf verurยญsacht, wozu gibt es sonst den Sport ?
Einleuchยญtend.
Und was machst du, wenn das ausbleibt, du kleben bleibst an einem Bild, welches Arbeit einforยญdert und keine Freude macht ? Gibt es รผberยญhaupt auch ein Aufgeben, ein Versagenseingestรคndnis ?
Nun ja, dann muss ich eben arbeiten. Dann liegt die Karre im Dreck und ich muss ziehen. Das kann zรคh sein, fรผhrt zu schlechter Laune und natรผrยญlich zu einem Hader mit mir und meinen Fรคhigยญkeiten, die dann offenยญsichtยญlich fehlen. So werde ich auf meine Unzuยญlรคngยญlichยญkeiten hingeยญwiesen, auf meinen Kleinmut. Ich muss meine รngstยญlichยญkeit erkennen, ohne eine Gegenยญmaรยญnahme zu entwiยญckeln โ lange nicht. Ich รผberยญlege und suche nach Vorbilยญdern, im wahrsten Sinne des Wortes, die mir als Mutmaยญcher dienen. Bis es mir irgendยญwann total reicht und ich, jetzt bemรผhe ich erneut die Metaยญpher des Weges, ich eben jenen verlasse und querยญfeldein laufe ; bis dann irgendยญwann ein neuer, besser begehยญbarer auftaucht. Und bisher habe ich immer noch einen gefunden. Soviel also zum Aufgeben. Aber das ist alles schon frustrierend.
Und dann gibtโs ja auch noch Tricks. Die dienen mal wieder dazu, sich selber ein wenig weniger wichtig zu nehmen. Denn meisยญtens verantยญwortยญlich fรผr eine solch unanยญgeยญnehme Situaยญtion sind die Bedenยญkenยญtrรคger, die Zauderer und รberยญleger in einem.
Du hast die Phariยญsรคer und Schriftยญgeยญlehrten vergessen !
Ja, da muss ich mich wohl auch noch bei dir bedanken. Jetzt wird man hier noch veralbert.
Welche Tricks ?
รh,Tricks also, die da wรคren โAufgabe des รberยญblicksโ, โรberยญforยญdeยญrung durch Schwierigkeitenโoder das Wecken des Wageยญmuts mittels unlauยญterer Mittel, wie das einer Kaffeeยญverยญgifยญtung. Natรผrยญlich gehen auch Alkohol oder andere Substanzen, doch ist hier der Grad zwischen guter Arbeitsยญentยญscheiยญdung und Enthuยญsiยญasmus sehr schmal, daher habe ich das seit gefรผhlten Tausend Jahren nicht mehr gemacht. Die Blickยญverยญkleiยญneยญrung ist da eine gesรผnยญdere Straยญtegie. Die Einzelยญanยญteile des Bildes verlangen ja gerne nach kongruยญentem Verhalten ; da macht man in der hinterยญletzten Ecke einen unbeยญholยญfenen Strich, schon schreit es im Sรผdwesten nach einer angeยญmesยญsenen Antwort. Das kann den Maler nerven und er bittet um Ruhe. Natรผrยญlich nutzt da Bitten nix. Und da hilft es den รberยญblick zu verlieren. Links unten fรคngt man an meinetยญwegen, arbeitet sich mit eingeยญschrรคnktem Blickยญfeld, immer nur die unmitยญtelยญbare Bearยญbeiยญtungsยญumยญgeยญbung kontrolยญlieยญrend, langsam, wie der schon bemรผhte Maulยญwurf, durchs Bild. Und manchmal wirdยดs dann ein schรถnes und frisches Bild. Oder zuminยญdest hat man wieder einen Anknรผpfungspunkt.
Eine weitere Mรถglichยญkeit ist die Problemยญverยญstรคrยญkung. Also die Schwieยญrigยญkeiten auf ein unerยญtrรคgยญliยญches Maร zu steiยญgern, sodaร aber auch ein jeder einsieht, daร es so nicht weitergeht.
Und Schwieยญrigยญkeiten gehen ganz schnell. Nรคmlich Mist bauen auf dem Bildยญtrรคger
und anschlieยญรend alles wieder gut machen.
Was noch ? Kaffeeยญmissยญbrauch. Nun bin ich ansich Teetrinker. Aber schnell viel zu viel Kaffee zu trinken, zwingt die Zaghafยญtigยญkeit in die Knie und fรผhrt zu einem kreaยญtiven Annehmen, sowohl bezรผgยญlich der unwieยญderยญbringยญliยญchen Vernichยญtung, als auch der gleichยญzeiยญtigen Hervorยญbrinยญgung. Dieser Wagemut, welcher die Konseยญquenzen zwar erkennt, doch als nichtig bewertet, konnte bei mir manchmal Bilder sehr gut retten, in eine neue Richยญtung fรผhren. Aber auch das habe ich seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr gemacht. Vielยญmehr geht es mir bei meiner Art Intimยญbeยญschau darum, ein gewisses grundยญsรคtzยญliยญches Handยญlungsยญinยญstruยญmenยญtaยญrium zu beschreiben, wie ich in schwieยญriger Situaยญtion mit ebenยญdieser umgehe. Oder umgeยญgangen bin.
Dann mรถgen deine Selbstยญverยญmeiยญdungsยญstraยญteยญgien das vorgeยญstellte und arbeitsยญreiche Bild doch noch ganz ordentยญlich haben werden lassen, doch wann ist es denn fertig ?
Merkยญwรผrdig, daร du diese Frage jetzt stellst. รbriยญgens ist das eine hรคufig gestellte Frage, die mich immer verwunยญdert, als wรผrde ich auch in Gefahr laufen, das Bild zu weit zu malen.
Aus all dem Beschrieยญbenen erรถffnet sich ja, daร alles autoยญmaยญtisch auf das Ende des Bildes hinausยญlรคuft, genauso selbstยญverยญstรคndยญlich es einen Anfang hatte. Es verdichtet sich immer mehr und irgendยญwann gibt es eben nichts mehr hinzufรผgen.
Und kann dann auf den Kunstmarkt!?
Moment, erst muss das noch trocken werden. Aber im Ernst, schรถn wรคrยดs.
Im vorderen Raum hรคngt ja das โSchiff PVC 1โ. Dieses Bild habe ich bereits vor etwa einem Jahr gesehen, also als ich das letzte Mal in Wuppertal war. Damals hast du dich ganz euphoยญrisch รผber das Bild geรคuยญรert und keinen Zweifel daran gelassen, daร es fertig ist. Jetzt war ich sehr erstaunt, daร es von dir nochยญmals vรถllig umgeยญbaut wurde. Hast du dann doch kein Ende gefunden ? Zwar gefรคllt es mir, das neue Schiff, doch deswegen die Atmoยญsphรคre des alten derart zu verรคnยญdern, erstaunt mich. Ein ganz neues Bild in dieser Serie wรคre doch auch gut gewesen, zumal du ja einige dieser Art zwischen diesen Zustรคnden gemalt hast.
Was war das jetzt fรผr ne Frage nochmal ?
Ich sprach gerade den Zweifel aus, daร da in diesem Fall eben doch nicht die Zwangsยญlรคuยญfigยญkeit, die du im Zusamยญmenยญhang mit dem Ende der Bildยญferยญtiยญgung beschrieยญbenen hast, vorhanden war.
War sie aber wohl ! Aber eben auf andere Weise. Und das hat eben eher was mit dem Thema zu tun, daร ich kein Bild aufgebe und ich es immer wieder versuche, das Bild aus dem Desaster zu hieven. Aber das Bild, die ganze Serie war schon eine Kataยญstrophe der mir bis dato unbeยญkannten Art.
Also zier dich nicht, das Glas ist noch nicht ausgeยญtrunken und die Zeit habe ich auch nochโฆ
Na juut. Die ganze Serie PVC ist mit dem Anliegen angeยญgangen worden, daร die Bilder die leichยญtesten der Welt werden sollten, trotz eben ihrer nicht unerยญhebยญliยญchen Grรถรe (150 x 200 cm). Jetzt sind es aber leider die weltยญschwersten Bilder der Welt geworden.
Hรค ?
Ja, der Reihe nach. Ich hatte die PVC Ausleยญgeยญware irgendยญwann mir von der Messe mitgeยญnommen und ursprรผngยญlich in meiner Spieยญรerยญphase als Tropfยญschutz unter meine Stafยญfelei gelegt. Als ich dann also tropfte, fiel mir auf, daร ebenยญdiese Tropfen aus รl auf das Herrยญlichste mich beeinยญdruckten, so satt wie die da so auf dem schwarzen Grund lagen. Ich beschloss daher, den Tropfยญgrund als Bildยญgrund zu tauschen. Schรถn an die Wand getaยญckert wurde das eine Malerei, die mich รผberaus beschwingte.
Es lief so wunderbar alles, wie von selbst. Kaum Probleme, alles wunderbar. Und die Vorstelยญlung war, daร die Dinger so leicht waren, ich die rollen konnte und wenig Platz beanspruchten.Jedenfalls war die Serie erfolgยญreich abgeยญschlossen, mein Stolz und mein รbermut hielten sich auf hohem Niveau, und da schien mir plรถtzยญlich die Prรคsenยญtaยญtion der Teile unanยญgeยญmessen spartanisch.Also so an die Wand getaยญckert. Ich wollte es plรถtzยญlich museal. Auch waren die Lappen weit widerยญspensยญtiger im losen Zustand als mir lieb war. Also beschloss ich Rahmen zu bauen. Kein Problem soweit, die schรถn shabby geschwรคrzt. Nur so locker eintaยญckern ging natรผrยญlich nicht, darum musste ein Bildยญhinยญterยญgrund her. Ich entschied mich fรผr 3mm Sperrยญholz und fรผr nicht reverยญsiยญblem Teppichยญkleber. Super profesยญsioยญnell alle gehandยญhabt, bis die Bilder herrยญlich gerahmt rumhingen. Ich war zufrieden, die Tage gingen dahin. Bis mir die ein oder andere Beule auffiel. Erst wollte ich cool darรผber hinwegยญsehen, ging aber nicht. Nun bin ich ja auch Akriยญbiker. Also habe ich Latten zur Hinterยญstรผtยญzung von hinten in den Rahmen geschraubt. Dann war das an der Stelle OK, doch andere Beulen kamen, eben woanยญders. Langum, die dรผnnen Platten wollten eben arbeiten, ich musste. Handeln. Stell dir vor, das sind ja Herzensยญanยญgeยญleยญgenยญheiten. Ich war in Not. Malerei gut gelungen und dann wird das Ergebnis so durch Blรถdยญsinn untergraben.
Irgendยญwann habe ich versucht, das PVC wieder von den Platten zu befreien. Irreverยญsiยญbler Kleberโฆ Erst vorsichtig, dann immer heftiger. Schlieรยญlich habe ich mich draufยญgeยญstellt und habe gezogen. Bei zweien ist mir das gut gelungen, bei den Bildern Schiff PVC1 und Bedrohยญliche Aufstelยญlung, also das mit der Schnecke und dem japaยญniยญschen Kleinยญritter auf Pferd, aber nicht.
Fรผr alle habe ich 1cm MDF Platten als neuen Hinterยญgrund spenยญdiert und die, welche meine Bearยญbeiยญtung gut รผberยญlebt haben, konnte ich damit auch gut retten.
Die beschรคยญdigten zwei habe ich erst mal zur Ruhe kommen lassen. Rรผckยญseitig befanden sich รผberall noch Sperrยญholzยญreste, eingeยญrissen waren sie auch. Und das bei Bildern, die ein so hohen Schwarzยญanยญteil haben, oder sagen wir, einen so hohen Anteil an unbeยญmalter PVC Flรคche habenโฆ
Kataยญstrophe. Schlieรยญlich habe ich die Teile dann doch noch auf die dicken Platten geklebt. Die โBedrohยญliche Aufstelยญlungโ hat zusรคtzยญlich noch einen, so glaubte ich glรคtยญtenden Unterยญgrundโ aus einem anderem (anders farbig) PVC gekriegt. Und gerade dieses hatte ja noch sehr groรยญteilig das Sperrยญholz unter sich. Die stรถrenden Verรคnยญdeยญrungen also, vor allem auf den unbeยญmalten Flรคchen, waren einfach unerยญtrรคgยญlich. Ja Karin, der ganze รrger fรผr so einen Blรถdยญsinn. Die Zeit, das Geldโฆ
Nun hingen sie also wieder da. Was konnte ich noch tun ? Der rettende Aktioยญnismus war ausgeยญschรถpft, jetzt musste ich dann doch wieder kรผnstยญleยญrisch an die Sache ran.Ich begann also die mich stรถrenden Stellen wegzuยญschneiden. Kleinยญteilig konnte ich die dann ablรถsen. Und ich sah die darunter erscheiยญnenden und so mรผhselig aufgeยญtraยญgenen Hinterยญgrรผnde, zuminยญdest bei dem Bedrohยญliche Aufstelยญlung. MDF, Sperrยญholz, das farbige PVC. Und diese flachยญreยญliยญefยญarยญtige Behandยญlung, das Hervorยญholen dieser unterยญschiedยญliยญchen Mateยญriaยญlien, machten plรถtzยญlich groรen Spaร. Ich konnte endlich wieder in die Offenยญsive gehen. Die Bilder haben sicher eine Charakยญterยญwandยญlung erlebt und auch sehr zugeยญnommen, aber vielยญleicht mag ich sie daher umso mehr. Alleine bewegen kann ich sie allerยญdings nur mit einem Transยญportยญroller. Hab ich mir auch noch gebaut.
Und so, liebe Freundin, war deine Vermuยญtung zwar gerechtยญferยญtigt, daร ich das mit dem Bildende doch nicht so weiร, aber daร das Bild so aussieht wie es jetzt aussieht, verdanke ich meiner Mateยญriยญalยญunยญkunde. Wo ich mir auch noch immer so viel darauf eingeยญbildet habe, mich gut mit diesen Dingen auszukennen.
Also ein Glรผck, daร ich in dieser Heldenยญzeit nicht hier war. Aber da habe ich dir ja eine wunderยญbare Steilยญvorยญlage zu deinem Epos gegeben und wir kรถnnen das ganze heutige Gesprรคch in den privaten Rahmen mรผnden lassen. Oder ? Was kann jetzt noch kommen ?
Hรถre ich jetzt schon wieder Ironie oder bin ich nur sensibel ?
Nicht doch, aber schlieรยญlich habe ich jetzt eingeยญhenden Einblick รผber deine Arbeitsยญweise erhalten, das Wie ist ermitยญtelt, das Was auch ausreiยญchend und entspreยญchend der gerinยญgeren Bedeuยญtung, die du dem zubilยญligst, gestreift.
Gibtยดs noch was zu sagen?:
Erstmal nix als Danke. Und : Maler male, rede nicht. Ist glaub ich von Goethen.
Haste dich aber nicht dran gehalten.
Goethe, die alte Flรถteโฆ.
Ruhe getz !
โฆโฆ..!
